Frühlingsgedanken

(Image by dewdrop157 from Pixabay)

Jedes Jahr beginnt kurz nach meinem Geburtstag der Frühling. Die Uhren werden umgestellt, die Bäume werden grüner, die Wiesen, Balkone und Gärten bekommen frische bunte Farbtupfer. Und die tschilpenden und zwitschernden Vögel sorgen dafür, dass die Katze am liebsten auf dem Balkon leben würde – ist schließlich so spannend draußen.

Auch dieses Jahr.

Denn die Natur stört sich – zum Glück – nicht an Corona.

Vielmehr kann sie sich an vielen Orten zur Abwechslung mal in Ruhe ausbreiten – und ein kleines bisschen von uns Menschen erholen. So lese ich von großen Städten weltweit, in denen endlich wieder statt Smog der blaue Himmel zu sehen ist und man nachts zum Sternegucken auf den Balkon gehen oder aus dem Fenster schauen kann. Von Straßenrändern, an denen Wildblumen blühen und Bienen summen. Von Delfinen, die sich zum ersten Mal seit Jahren (oder gar Jahrzehnten) in Hafenbecken tummeln, und von Flüssen, Kanälen und Meeresbuchten mit kristallklarem Wasser.

Also ist Corona auf einmal voll toll?

(Photo by Sincerely Media on Unsplash)

Auf keinen Fall. Aber dennoch können die vergangenen Wochen (und in einigen Ländern gar Monate) uns das eine oder andere zeigen: In Bezug auf die Natur z.B., dass sie enorm widerstandfähig ist und durchaus in der Lage, sich (in Teilen) zu erholen, wenn wir ihr die Gelegenheit dazu geben. Was wir in Zukunft vielleicht öfter tun sollten – auch ohne Pandemie.
Auf der menschlichen Seite bekomme ich von vielen mit, dass sie zwar den persönlichen Kontakt vermissen, sich dafür aber andere Wege einfallen lassen, um Freunden und Familie trotzdem nah zu sein, nur eben aus der Ferne. Und auf einmal sieht man dank Video-Call Menschen, mit denen ein persönliches Treffen ohnehin nicht möglich gewesen wäre, weil man sich gerade in verschiedenen Ländern aufhält. Die Postkartensammlung macht sich (endlich) auf den Weg zu lieben Menschen und, hm, eigentlich ist es ja auch ganz praktisch, die Zeit für den Weg zur Arbeit einsparen zu können, weil Home Office auf einmal für die meisten verpflichtend ist. Und das sind nur ein paar kleine Beispiele. Jede:r kann diese Mini-Liste sicherlich um ziemlich viele, ganz individuelle Punkte ergänzen.

Schöne neue Welt nach Corona?

Ich fürchte, um so etwas zu glauben, bin ich allzu sehr Realistin. Aber ich fände es schön, wenn doch einiges, was wir in der aktuellen Zeit an Positivem lernen und erfahren, ob das neue Blickwinkel sind, neue Fähigkeiten, neue kreative Lösungen für alte Probleme oder ganz was anderes, auch in die ‚Zeit nach Corona‘ Eingang findet. Dass all dies, um zum Frühlingsbild vom Anfang zurückzukehren, jetzt Wurzeln schlägt, später weiter wachsen und reifen darf und dann auch Früchte trägt.

Weitere Gedanken und Texte zu diesem Thema gibt es z.B. auch im Corona-Frühlings-Special des Autoren-Oster-Kalenders.