„Einer für alle, alle für einen“

Wenn man die sogenannten Klassiker der Weltliteratur liest, muss man sich eigentlich auch immer fragen, wie die Bücher zu der Zeit gelesen wurden, als sie ursprünglich auf den Markt kamen. Das gilt auch für „Die drei Musketiere“ (original: „Les trois mousquetaires“) von Alexandre Dumas. Immerhin ist das Werk in seiner ersten Auflage bereits 1844 erschienen und baut zudem auf der von Gatien de Courtilz de Sandras geschriebenen Biografie „Mémoires de M. d’Artagnan“ auf, die wiederum schon 1700 veröffentlicht wurde. Die Ereignisse selbst, auf die sich beide literarischen Werke beziehen, liegen wiederum noch einige Jahrzehnte mehr zurück: So lebte die Inspirationsquelle selbst, der Musketier Charles de Batz de Castelmore, genannt comte d’Artagnan, zwischen 1611/5 und 1673 – und die Handlung des Buches ereignet sich um 1625. Auch diese Zeit ist somit bei der Lektüre zu berücksichtigen.

DSC7188_1_klein-705x1024„Im Jahre 1625 verläßt der junge, aus völlig verarmtem Landadel stammende d’Artagnan seine gascognische Heimat und zieht in die Hauptstadt Paris, um sich der königlichen Garde der Musketiere anzuschließen.“
Soweit die Vorrede zum Buch. Wäre d’Artagnan nicht d’Artagnan, und damit der naive Draufgänger vom Land, hätte er sicherlich nicht die Abenteuer erlebt, welche die Handlung des Buches bilden. So aber schafft er sich durch seine „Duellier-Sucht“ Gegner, wo er nur geht und steht: Einige stellen sich zu Recht als Missetäter und spätere Feinde heraus, andere werden Kameraden und Freunde. Vor allem aber schlittert d’Artagnan von einer unvorhergesehenen Situation in die nächste – was aber auch Vorteile bringen kann: Ihm zumindest liefert es viele ungeahnte Einsichten, die sich auch in den meisten Fällen im späteren Handlungsverlauf nutzen lassen.
Das gilt auch für seine ersten Begegnungen mit den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis. Durch die ihm eigene Art macht er sie sich zu Freunden – obwohl sie sich zunächst im Duell messen wollten, zur Not auch bis zum Tod. Gemeinsam setzen sich diese vier so unterschiedlichen Männer für einander und diejenigen, denen sie sich verschrieben haben, ein. Jeder auf seine Weise und mit seinen individuellen Stärken, aber alle gemäß den ritterlichen Tugenden von Tapferkeit und Treue.
Im Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Bemühungen steht – neben diversen Duellen, über deren Notwendigkeit man teilweise streiten könnte – die Rivalität zwischen König Ludwig XIII. von Frankreich und seinem Kardinal Richelieu, durch die alle vier in diverse Staatsaktionen verwickelt werden. Besonders die sogenannte „Diamantspangenaffäre“, bei der Kardinal Richelieu die aus der spanischen Habsburgerdynastie stammende Gemahlin von Ludwig XIII., Königin Anna, als Verräterin entlarven möchte, nimmt viel Raum ein: Sie zwingt die vier Freunde dazu, vielen Fallen Richelieus zu entgehen, um die Ehre Königin Annas, ihrer höchsten Dame, zu bewahren.